Cooles im Kindergarten

Heute war ich mit den Kindern im Supermarkt. Nachdem ich sie vom Kindergarten abgeholt hatte, wollte ich noch schnell ein paar Dinge besorgen. Ich habe also beide im Einkaufswagen sitzen und wir fahren durch die Gänge. Während sie fröhlich plappern und mir von ihrem Tag erzählen, schmeiße ich die Sachen von meiner Einkaufsliste in den Wagen und noch ein paar Sachen die nicht auf der Liste stehen.

saftAls wir am Saftregal in der Getränkeabteilung sind und ich nach dem richtigen Saft suche, erzählen mir die Kinder das sie heute was total cooles im Kindergarten gemacht haben: Sie haben nämlich Saft selber gepresst, mit so einer riesigen voll coolen Saftpresse, erzählen sie mir, die hat die Kindergärtnerin mitgebracht. Naja Saftpressen, vor einer Weile habe ich in einer Kochshow gesehen was für tolle frische und vor allem vitaminreiche Säfte man für seine Familie mit so einer Saftpresse herstellen kann, es gab auch einen Entsafter Test, wo verschiedene Modelle vorgestellt wurden und das Preisleistungsverhältnis verglichen wurde.

Die Kinder meinen auch, dass es viel besser schmeckt und es sei ja so gesund. Ok, wenn sie schon freiwillig was gesundes trinken wollen – warum also nicht? Das kann doch nicht so schwer sein. Ich werde mal ernsthaft darüber nachdenken, mir so eine Presse zu kaufen und es einfach mal ausprobieren.
Ich schmeiße trotzdem den Saftkarton in den Wagen, den irgendwas müssen wir ja trinken. Die Kinder haben mittlerweile schon wieder ein anderes Thema gefunden, über das sie schnattern und grabschen beim Vorbeifahren mal eben in der Chipsabteilung in das Regal. Ich brauche dringend noch Fleisch für das Abendessen. Wir bekommen Besuch und da wollte ich einen Braten machen. Nichts Besonderes, aber es schmeckt gut und sieht nach richtig viel Können und Arbeit aus. Das Beste ist, dass man eigentlich nichts falsch machen kann. Nicht mal trocken kann er werden, da er in einer Soße schwimmt.
Meine zwei fangen an zu quengeln und sich heftig zu streiten. Ich denke, ich habe eh alles gefunden, was ich brauche. Zu Hause wartet Suppe und ein Pudding auf die Zwei und dann gehen sie erst einmal eine Runde in den Garten spielen.

Neid lässt uns nie zufrieden sein

Mal ehrlich, wann haben Sie sich das letzte Mal bei einem dieser Gedanken ertappt:

  • „Warum ist eigentlich der Rasen des Nachbarn immer grüner als der eigene?“
  • „Warum sind die Kinder der Freundin in der Schule so viel erfolgreicher als die eigenen und können darüber hinaus auch noch reizend Klavier spielen?“
  • „Warum kommt die Kollegin Frau S. immer so locker mit dem Chef ins Gespräch, während ich noch fünf Minuten nach dem Zusammentreffen mit ihm nach der passenden Antwort suche?“
  • „Warum kleidet sich die Nachbarin auf so lässig leichte Art umwerfend geschmackvoll, während ich irgendwie das Gefühl nicht loswerde, dass das, was ich trage, immer einen biederen Beigeschmack hat?“
garten
Warum ist der Garten des Nachbars immer grüner?

Schöner, klüger, wohlhabender, glücklicher – der Erwartungsdruck fängt so oft mit diesen fatalen kleinen Buchstaben an, die an Eigenschaftswörter angehängt werden: „-er“. Neid lebt vom endlosen Vergleichen. Und das Fatale ist, dass es wirklich nichts gibt, um das man die anderen nicht beneiden könnte. Ein Benediktinermönch beschrieb dies mal so: „Wer sich mit anderen vergleicht, hinkt ihnen immer hinterher. Denn es gibt immer Fähigkeiten bei anderen, die ich nicht besitze“.
Jede Beziehung und Begegnung kann den Nährboden für Neidgefühle bieten: Beneidet werden Schwestern, andere Schulmütter. Mit anderen Worten: Neid entsteht vor allem durch Nähe und soziale Kontakte. Beziehungen schaffen potenziell Neider und Beneidete. Neid produziert im Gleichtakt Mangelgefühle und Erwartungen, was anders werden müsste; gleichzeitig legt sich Unzufriedenheit wie Mehltau auf die Seele. Wer neidorientiert denkt, verfällt dem großen Irrtum, es gäbe einen Status, der uns zufrieden sein lässt.

Entsprechende Irrtumssätze lauten:

  • Wenn erst einmal
  • Hätte ich doch
  • Könnte ich doch auch …
  • Ja, dann wäre ich …

Egal wie schön, gebildet, wohlhabend, erfolgreich ein Mensch ist, es wird immer jemanden „Über“ ihm geben. Also rückt die innere Zufriedenheit meilenweit weg. Erfolg gleich welcher Schattierung bringt nicht automatisch Gelassenheit mit sich.
Beim Thema Neid lässt sich nur schwer ein Gewinnbereich ermitteln. Im besten Fall ziehen wir Gewinn aus der sozusagen „im Grenzbereich des Neider“ liegenden (ehrlichen) Bewunderung und dem daraus resultierenden Ansporn. Dinge, Fähigkeiten usw. bei jemand anderem zu entdecken, der in einer ähnlichen Lebenssituation ist, kann eben auch Mut machen, endlich selbst erste neue Schritte zu wagen. Neidgefühle können also im besten Fall einen Hinweis auf eigene Entwicklungspotenziale geben.

Entdecke doch deine Möglichkeiten

Ich kann es nicht mehr hören!

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Entdecke deine Möglichkeiten … die Frau von heute ist mehr in Eile als alles andere

Zum Beispiel solche Sätze: „Mach mehr aus deinem Typ, du bist doch wer“. „Du kannst alles für deine Schönheit tun“. Das klingt doch verlockend, nach einer positiven Erwartung. Nur schlecht, wenn uns falsche Schönheitsideale in den Griff nehmen. Du kannst schön sein, du kannst schlank bleiben aber wehe, du bist es nicht! Du kannst – also musst du auch! Der Zuspruch wird zum Anspruch. Und mit dem ist gar nicht immer so leicht umzugehen. Da lassen sich die so genannten überflüssigen Pfunde nicht so leicht wie erwartet vertreiben, und die Falten gesellen sich mit der Zeit unbarmherzig, aber unübersehbar dazu.
Oder: „Entdecke deine Möglichkeiten …“ Eine verlockende Erwartung: endlich Familie, Kinder, Mann, Beruf unter einen Hut zu bekommen. Pech, wenn der Hut dann so voll gepackt ist, dass wir ihn gar nicht mehr auf unseren Kopf bekommen. Alle scheinen alles zu erwarten … und schon hat die Erwartungsfalle zugeschnappt.

Weil unser Leben so kostbar ist und weil wir unser Leben nur einmal leben können, lohnt es sich so sehr darüber nachzudenken, wer und was unsere Vorstellungen und Ideale von einem gelingenden Leben bestimmt. „Das Leben ist stressreicher und komplizierter geworden“, sagt die Wissenschaft – und die muss es ja wissen; wird doch laufend die Bevölkerung nach ihrem Stresserleben und dem Zufriedenheitsgefühl befragt und untersucht. Und eigentlich merken wir es alle Nase lang selbst, dass die Schnelllebigkeit und Unübersichtlichkeit unserer Zeit uns ganz schnell in den Griff nimmt. Stress beherrscht viele als Gefühl des Überfordertseins. Stress ist Erwartungsdruck pur: „Nicht ich lebe, sondern ich werde gelebt, ich reagiere nur noch, ich hechele hinterher und habe häufig das Gefühl, anderes zu wollen, als ich momentan kann“, so beschreibt eine junge Frau ihr – und damit wohl ein verbreitetes – Lebensgefühl. Lifestyle-Architekten, Trendsetter – und nicht zuletzt die Wirtschaft – treiben den Erwartungsdruck und dringen in unser Leben ein. Nicht dass uns dies immer oder auch nur annähernd bewusst wäre, aber die Stimmen dringen tief: „Mach mehr aus deinem Typ“, „Fit for fun“, „Verpass das Leben nicht“. Schrill und laut tönt es über unsere Köpfe hinweg und dringt doch so tief in uns ein. Was wir schnell aus dem inneren Auge verlieren: Wir sind viel weniger den Umständen und dem Erwartungsdruck ausgeliefert, als wir oft denken. Natürlich können wir uns den Veränderungen unserer Zeit nicht entziehen, aber wir können unser Leben stärker selbst gestalten und bestimmen, als wir oft ahnen, und dann unsere eigenen Vorstellungen auch in die Tat umsetzen.